Brenntag-Aktie stürzt ab: Was Anleger jetzt wissen müssen
von Stefan Lindam, aktiencheck.de
Die Brenntag-Aktie verlor am heutigen Handelstag -4,3 % an Wert und fiel
auf 59,70 EUR. Der Grund: Die Q1-Zahlen 2025 konnten die Erwartungen der
Analysten nicht erfüllen. Zwar erzielte der Chemiedistributionsriese ein leichtes
Wachstum beim Umsatz und Rohertrag, doch die Performance blieb hinter den
Hoffnungen zurück, insbesondere im Vergleich zum starken Vorquartal und
angesichts der zunehmend trüben Aussichten.
Quartalszahlen im Detail: Stabilität – aber keine Dynamik
Brenntag erwirtschaftete im ersten Quartal 2025 einen Umsatz von 4,071
Mrd. EUR (+0,4 % im Vergleich zum Vorjahr). Der operative Rohertrag stieg um
2,1 % auf 1,019 Mrd. EUR – ein positiver Lichtblick. Das operative EBITA lag mit
264,3 Mio. EUR nur leicht über dem Vorjahreswert (+0,3 %). Der Gewinn je Aktie
sank auf 0,93 EUR (Vorjahr: 0,97 EUR). Der Free Cashflow fiel um 6,8 % auf
163,3 Mio. EUR.
Wichtig: Analysten hatten in vielen Fällen mit einem stärkeren EBITA-
Impuls gerechnet – insbesondere nach dem versprochenen Effekt des
Kostensenkungsprogramms. Auch der schwächere Gewinn je Aktie überraschte
negativ. Enttäuschend war zudem der Hinweis auf ein Geschäftsergebnis 2025
am unteren Ende der eigenen Prognose.
Segmentanalyse: Essentials robuster als Specialties
Brenntag Essentials zeigte sich im Q1 2025
vergleichsweise robust: Der Rohertrag stieg um 3 % auf 724,5 Mio. EUR. Das
operative EBITA sank allerdings um 3,7 % auf 178,5 Mio. EUR. Besonders positiv:
zweistelliges Absatzwachstum in APAC und Lateinamerika. Nordamerika blieb
jedoch eine Herausforderung.
Brenntag Specialties konnte den Rohertrag stabil
halten (295 Mio. EUR, +0,1 %), allerdings ging das EBITA um 1,2 % zurück.
Besonders durchwachsen: Das Life-Science-Segment (Nutrition stabil, Pharma
schwächer, Beauty & Care stark). Die Margenentwicklung blieb insgesamt hinter
den Erwartungen zurück.
Ausblick: EBITA-Ziel bleibt – aber konservativer Ton
Brenntag bestätigte seine Prognose für 2025: Ein operatives EBITA
zwischen 1,1 Mrd. und 1,3 Mrd. EUR. Allerdings betonte das Management, dass
man derzeit mit einem Ergebnis am unteren Ende dieser Spanne rechnet. Gründe
dafür: schwaches Geschäftsklima, hohe Volatilität, ungünstiger EUR/USD-Kurs
und geopolitische Unsicherheiten.
Kostensenkung als Stabilisator
Brenntag erzielte im Q1 Einsparungen in Höhe von 30 Mio. EUR – ein
solides Ergebnis. Das Ziel: 300 Mio. EUR jährliche Einsparung bis 2027. Die
bisherigen Maßnahmen zeigen Wirkung, können aber das schwache operative
Momentum kurzfristig nicht vollständig kompensieren.
Analystenstimmen: Gedämpfter Optimismus
- Baader Bank: "Add" mit Kursziel 85 EUR – sieht Aktie
als unterbewertet, mahnt aber Geduld an. - Goldman Sachs: "Buy" mit Kursziel 98 EUR – verweist
auf langfristige Marktführerschaft. - Berenberg: "Buy" mit Kursziel 68 EUR – betont
Kostensenkungspotenzial.
Der Analystenkonsens liegt bei 73,08 EUR – das entspricht einem
Potenzial von rund 22 %. Einige Häuser haben jedoch angekündigt, ihre
Schätzungen nach unten anzupassen, sollte das Management keine
Wachstumsbeschleunigung liefern.
Fazit: Brenntag bleibt ein Schwergewicht mit Fragezeichen
Die heutigen Quartalszahlen sind ein zweischneidiges Schwert: Auf der
einen Seite steht Stabilität in einem herausfordernden Umfeld, auf der anderen
Seite fehlende Wachstumsdynamik. Die Aktie bleibt ein solider Value-Titel mit
begrenztem Risiko, aber auch begrenztem kurzfristigen Potenzial.
Anleger sollten vor allem auf die zweite Jahreshälfte achten: Gelingt dort
die operative Trendwende, könnte der Markt aufholen. Bis dahin gilt: Halten,
beobachten – und bei Rücksetzern prüfen, ob eine antizyklische Positionierung
Sinn ergibt.

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